Der Ehrenschlaraffe "Herr Karl" - Helmut QUALTINGER

Helmut Gustav Friedrich Qualtinger


Am 3. des Eismond 158 wurde in unserem Reych abgestimmt, ob es einen weiteren Ehrenschlaraffen für das hohe Reych "Im Zillertal" 363 geben soll - und die Wahl von Helmut QUALTINGER zum Ehrenschlaraffen "Herr Karl" wurde einstimmig angenommen.

Helmut QUALTINGER (1928-1986) war Schriftsteller, Kolumnist, Schauspieler, Regisseur, Kabarettist, Satiriker, Sprach- und Sprechkünstler in einer Person. Er wurde von der Bevölkerung geliebt und gehasst. Er galt als Liebling und Todfeind der österreichischen Volksseele. Seine Arbeiten erfuhren begeisterte Zustimmung, als auch entrüstende Ablehnung. Wie die Meinungen über ihn, so war auch seine Persönlichkeit äußerst vielschichtig und widersprüchlich. Auch zu seiner Heimatstätte hatte er ein sehr ambivalentes Verhältnis: einerseits die innige Bindung zu Wien und seinen Lieblingsplätzen (Prater, Schweizerhaus, Alt Wien etc.), andererseits die tiefe Verachtung gegenüber der Stadt und seinen darin lebenden Bürgern.

 

 

 

 

 


Sein Vater Friedrich war Gymnasiallehrer für Mathematik, Physik und Chemie am Alsergrunder Realgymnasium - ein gefürchteter Pauker und ein glühender Nationalsozialist - seine Mutter Ida Hausfrau. Er war seit seiner Jugend ein begeisterter Leser und gründete noch als Gymnasialschüler die " Mozartbühne " - ein Jugendtheater. Zunächst studierte er Medizin und Publizistik, brach das Studium jedoch ab und begann eine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien.

Frühe Theaterversuche in Wien und Graz endeten meist mit Misserfolgen.
1949 hatte sein erstes Theaterstück "Jugend vor den Schranken" in Graz Premiere und erregte bei seiner Uraufführung als Halbstarkendrama einen Skandal.
In den Jahren bis 1960 arbeitete er vor allem an verschiedenen Kabarett-Stücken mit dem " namenlosen Ensemble " (Gerhard Bronner, Carl Merz, Louise Martini, Peter Wehle, Georg Kreisler, Michael Kehlmann). Seine "Travnicek-Dialoge " (z.B. " Travnicek auf Urlaub " oder " Travnicek bei den Russen ") mit Gerhard Bronner sind in die Kabarettgeschichte eingegangen. Auch mit dem Stück " Da Papa wirds schon richten! " traf er die innerste Seele des durchschnittlichen Bürgers. Gerhard Bronner sagt über Qualtinger: "Als Schauspieler war er vielleicht Durchschnitt, jedoch als Kabarettist war er der Weltbeste!". Stücke wie " Die Zukunft Österreichs ", " Da gschupfte Ferdl " oder " A Krügerl vorm Gsicht " sind Klassiker des österreichischen Kabaretts.

Hörproben:
Travnicek auf Urlaub Travnicek bei den Russen
Die Zukunft Österreichs Da gschupfte Ferdl
A Krügerl vorm Gsicht Der Bundesbahnblues

Er - Qualtinger - war bekannt für seinen Schabernack. 1951 erlangte er internationale Popularität, als er es schaffte, eine Zeitungsente zu lancieren, in der der Wienbesuch des "berühmten Eskimodichters Kobuk" mit seinem Werk "Das brennende Iglu" angekündigt wurde. Zahlreiche Reporter versammelten sich am 3. Juli 1951 am Wiener Westbahnhof, um den berühmten Dichter zu empfangen. Dem Zug entstieg statt des erwarteten Gastes unser präsumtiver Ehrenschlaraffe mit Pelzmantel und -mütze. Von einem Radioreporter nach seinen ersten Eindrücken von Wien befragt, antwortete er: "Haaß is! " (Heiß ist es!).
Ein anderes Mal stahl er in der Wiener Innenstadt - in der Nähe seines Stammcafes Hawelka aus einer Werbetafel den Buchstaben "U". Diesen schickte er dem damaligen Unterrichtsminister Hurschler mit einem Brief, in dem er auf die Gefährlichkeit des Buchstaben "U" hinwies und anregte diesen "unheilvollen" Buchstaben aus dem Alphabet streichen zu lassen!

Qualtingers eigenartige Filmlaufbahn setzte mit Possen-Kurzauftritten in den Revuen, Lustspielen und Liebeskomödien der fünfziger Jahre ein. Als Charakterdarsteller ernster nahm ihn damals nur der Fernsehregisseur Erich Neuberg, der später bekanntlich auch für die lakonische Inszenierung des „Herrn Karl“ verantwortlich zeichnen sollte: 1957 spielte Helmut Qualtinger in dem TV-Film „Das Abgründige in Herrn Gerstenberg“ seine erste gewichtigere Rolle.1961 trat er in dem Ein-Personen-Stück " Der Herr Karl " als Feinkostmagazineur auf und schaffte damit seinen Durchbruch im deutschen Sprachraum. Der Herr Karl arbeitet im Keller eines Lebensmittelladens und erzählt einem imaginären Kollegen von seinem Leben vor, während und nach dem Krieg. Oberflächlich betrachtet erscheint der " Herr Karl " als netter Kerl mit liebem Blick ("I kann scheen schaun!"). Doch nach und nach erfährt der Zuschauer von dem Wendehals und Opportunisten Herrn Karl, der eigentlich ein gefährlicher, weil unberechenbarer Mitläufer ist. Zusammen mit Carl Merz schuf er mit dem "Herrn Karl" eine Schreckensfigur, die ihm in Österreich viele Feinde und sogar Morddrohungen einbrachte. So offen hatte vor ihm niemand den Durchschnittsbürger als Mittäter entlarvt und dargestellt.

> HÖRPROBE: " Der Herr Karl "

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im selben Jahr 1961, besetzte Neuberg Qualtinger auch als Oskar in „G’schichten aus dem Wienerwald– und zeigte darin einem breiteren Publikum erstmals, zu welcher Brutalität der als Clown so lange Missverstandene vor der Kamera tatsächlich fähig war. Als schlecht gelaunter Oberpolizeirat warf Qualtinger in dem Krimi „Mann im Schatten“ ebenfalls 1961 bereits seinen Schatten auf die viel spätere „Kottan“-Figur voraus. Filme seien praktisch „militärisch organisiert“, sagte er, die Verantwortung verteile sich auf unüberschaubar viele Menschen, und man bringe seine Zeit fast ausschließlich „mit sinnlosem Warten“ zu.


Ein großer Verehrer und Freund war ihm Zeit seines Lebens der damals noch sehr junge Liedermacher André Heller, mit dem er viele Schallplatten besang, Wienerlieder interpretierte und Auftritte hatte. Aber auch da ging er an Grenzen, die mancher nicht überschreiten wollte und erhielt prompt schlechte Kritiken. Mit den Bänkelliedern "Das Krüppellied" oder "Bei mir seids olle am Orsch daham" besangen die beiden Dinge des Lebens, die keiner so recht hören wollte.
André Heller hat einen liebevollen Film - "QUALTINGER" - über den großen Kabarettisten, Autor und Schauspieler gemacht, der auch Klischees entgegenwirken soll.

Hörproben:
Das Krüppellied
Bei mir seids olle am Oarsch daham!
Der Film von André Heller "Qualtinger"

Ab den 1970er Jahren verstärkte er (Qualtinger) seine schriftstellerische Tätigkeit und ging vermehrt auf Lesetourneen. Seine Lesungen eigener und fremder Texte (so auch Hitlers "Mein Kampf") waren so erfolgreich, dass sie auch auf zahlreichen Sprechplatten erschienen sind. Neben und vor allem nach seiner Kabarettzeit spielte er in unzähligen Theater-, Film- und Fernsehstücken mit, zuletzt 1986 den Mönch Remigio da Varagine in "Der Name der Rose" nach Umberto Ecos Roman an der Seite von Sean Connery. Bei den Dreharbeiten des Filmes erkrankte Qualtinger schwer. Während der letzten Filmszenen musste häufig unterbrochen werden, da er starke Schmerzen hatte. Es wurde sein letzter Film.

Hörprobe: Qualtinger liest "Mein Kampf"

Selbstzerstörung und Lebenslust bildeten bei ihm eine prekäre Balance. Lange konnte das nicht gut gehen: Vor 30 Jahren, am 29. September 1986, starb Helmut Qualtinger 57-jährig an einem Leberleiden. Der Alkohol war sein Ventil, seine Chance auf kurzfristige Flucht vor der eigenen „Uneinheit“, wie André Heller das formuliert: „Wir spazierten oft stundenlang debattierend durch den Prater, meist gefolgt von einem Besuch im Schweizerhaus, wo er immer Bier mit Büffelgraswodka bestellte. Ich hielt als junger Spund natürlich mit, das war selbstzerstörerische Ehrensache. Wir haben gesoffen, als gälte es einen Unvernunftsrekord aufzustellen."
Das Morbide war in Qualtingers Weltbild nicht bloß ein wohlfeiles Wiener Kunstmittel. Seit seinen frühen Jahren schon begleite ihn eine Art Todesgefühl, gab er lakonisch in den siebziger Jahren zu Protokoll. Natürlich fürchte er sich vor dem Sterben, sagte er noch, aber fremd sei ihm der Tod schon lang nicht mehr. 


Als Schriftsteller, der er gerne gewesen wäre, ist ihm nicht allzu viel geglückt. Er wurde fahriger und gedankenflüchtiger. Sein böser Blick verengte sich zum trüben Blinzeln. Auf die Frage, wie es ihm geht, tat er gern verwundert, „dass es mir überhaupt noch geht“. Viel zu früh ging es ihm nicht mehr. Innere Blutungen am letzten Mai brachten ihn an den Rand des Todes. Noch einmal konnte er sich aufrappeln.

Bei den Dreharbeiten zu dem Film "
Der Name der Rose" erkrankte Qualtinger schwer. Während der letzten Filmszenen musste häufig unterbrochen werden, da er starke Schmerzen hatte. Es wurde sein letzter Film. Im Alter von 57 Jahren starb Qualtinger am 29. September 1986 in seiner Geburtsstadt Wien.] Er ist in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 33 G, Nummer 73) beerdigt.

Helmut Qualtinger war zweimal verheiratet - zunächst ab 1952 mit der Kinder- und Jugendautorin Leomare Seidler und ab 1982 mit der Schauspielerin Vera Borek. Er hatte aus erster Ehe einen Sohn, den Maler, Schriftsteller, Musiker und Kabarettisten Christian Heimito Qualtinger (*1958).

2002 wurde im 3. Bezirk, Landstraße, auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes und Zentralviehmarktes Sankt Marx die Helmut-Qualtinger-Gasse nach ihm benannt.
> Seine wichtigsten Filme, Werke und Rollen


 


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